Nachdem die Bundesregierung, vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik dem Rat des CCC in einer wichtigen digitalpolitischen Entscheidung folgend, auf den „dezentralen Ansatz“[1] umgeschwenkt war, ging alles ganz schnell: SAP und Telekom zimmerten die App schnell zusammen – wegen der großen Transparenz des Entstehungsprozesses unter dem Applaus der Netz-/Nerdgemeinde.
Die Bedeutung von Videokonferenzen wächst in gleichem Maße, wie sich das Arbeiten in klassischen Bürojobs, in Schule und Hochschullehre etc. in das Home-Office verlagert. An die Stelle von Meetings, in denen man sich in Person und doch relativ „anonym“ gegenübersaß, ist in Zeiten der Krise die Videokonferenz getreten. Dabei holt man sich über die Kamera und das Mikrofon des eigenen Endgerätes die anderen TeilnehmerInnen in Ton und Bild zu sich ins Haus – und nicht nur die anderen KonferenzteilnehmerInnen, sondern auch deren Arbeits-, Wohnzimmer und Küchen nebst Wanddekorationen und im Hintergrund vorbeilaufender Katzen u. Ä.
In Unternehmen, in denen derzeit noch gearbeitet werden darf, fragt sich nun, wie die Informationen rund um das Corona-Virus/Covid 19 verarbeitet werden sollen. Einerseits mag man sich als Verantwortlicher vielfach denken, dass es im Moment „ja wirklich wichtigeres als Datenschutz gibt“ und Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus‘ im Unternehmen nach Bedarf treffen. Andererseits kennt das Datenschutzrecht keine „Notstandsklausel“ und so besteht das Haftungsrisiko durch Bußgelder und Schadensersatz in der Krise unverändert fort, zumal Informationen zu Infektionen als „Gesundheitsdaten“ besonders geschützt. Die Missachtung des Beschäftigtendatenschutzes in der Krise ist auch deshalb nicht zu empfehlen, weil man in aller Regel die notwendigen Schutzmaßnahmen ohne Weiteres unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Anforderungen treffen kann. Es gilt wie so oft: Gesunden Menschenverstand anschalten und Kurzschlusshandlungen vermeiden!
Vor nun beinahe drei Wochen muss auf einmal alles ganz schnell gehen. Während noch völlig unklar ist, was die offizielle Ausrufung der „unterrichtsfreien Zeit“ in der Praxis bedeuten könnte, versammelt sich eine Horde ratloser Lehrkräfte zur Krisensitzung. Völlig analog noch und massiv unbeholfen. Wie nahe dürfen wir uns noch kommen? Können wir danach noch irgendwo einen Kaffee trinken gehen und uns weiter über unsere Ratlosigkeit austauschen? Erstmal waschen wir zwar demonstrativ und moralisch erhaben fleißig unsere Hände, teilen dann aber letztlich doch die gemeinsame Kaffeekanne.